Biomazerartion: Interview mit Alois Posch

In der Hanfpflanze liegen alle Cannabinoide in der Säureform vor, also als CBGA, CBDA, CBCA usw. Was zeichnet diese natürliche Säureform aus und warum sind sie so wertvoll? Die Säureform der Cannabinoide, also CBGA, CBDA, THCA, CBCA usw. ist die natürliche Form, in welcher die Cannabinoide in der Pflanze vorkommen. Durch chemische und physikalische Einwirkungen der Verarbeitung werden diese Säureformen zerstört und die Säuregruppe wird abgespalten. Wir sprechen von einer Decarboxylierung.

Wie man mit der altbekannten Methode der Biomazeration hochwertige Extrakte mit natürlichen sauren Cannabinoiden (Cannabigerolsäure/CBGA, Cannabidiolsäure/CBDA) herstellt. Wie er dazu gekommen ist und was das mit der neuen Studie zu tun hat, die eine Wirkung von CBGA und CBDA gegen SARS-CoV-2 belegt, darüber sprechen wir mit Alois Posch, Gründer von Durch&DurchBio:

Alois Posch ist ein Tüftler. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann möchte er es auch umsetzen – und möglichst perfekt noch dazu. Vor 4 Jahren habe ihn das Thema Hanf gepackt, erklärt er. Am Anfang stand eine Erkrankung in der Familie und dann gabs da diese eine Studie, welche belegt habe, dass die natürliche Cannabigerolsäure, CBGA ein stark entzündungshemmende Wirkung habe.

Ich habe durch die Biomazerartion eine alte Methode neu entdeckt.

Alois Posch / Inhaber Durch&Durch Bio

Interview mit Alois Posch:

Du bist Biolandwirt und Gemüsebauer – was hat Dich motiviert mit Cannabis zu arbeiten?

Alois Posch: Es war diese Studie, die ich gelesen hatte – von der entzündungshemmenden Wirkung von Cannabigerolsäure, CBGA. Als ich gemerkt hatte, dass es keine Cannabigerolsäure-Extrakte zu kaufen gab, habe ich beschlossen, dass ich es selbst herstellen will.

Warum hast Du Dir nicht einfach eines der CBD-Öle besorgt?

Alois Posch: Ich wollte unbedingt die natürliche Säureform der Cannabinoide. Die CBD-Öle enthalten decarboxyliertes CBD. Cannabigerol gab es damals überhaupt noch nicht, weder decarboxyliert noch in der Säureform. 

Du wolltest also schon vor 4 Jahren die natürliche Säureform der Cannabinoide erzeugen. Damals gab es aber noch gar kein Covid und auch keine Studie, welche die Wirkung von CBGA und CBDA gegen SarsCov-2 belegen?

Alois Posch: Ja. Aber auch schon damals gab es mehrere Studien, die darauf hinwiesen, dass CBDA und CBGA bei ganz vielen Anwendungen eine bessere Wirkung erzielen als denaturiertes CBD und CBG. Eine Studie zeigt, dass die Bioverfügbarkeit von CBDA bis zu 4-mal so hoch ist wie die Bioverfügbarkeit von CBD.

Die Bioverfügbarkeit gibt an, wieviel vom konsumierten Inhaltsstoff auch in den Körper gelangt?

Alois Posch: Ja genau. In der Studie wurden die Plasmakonzentrationen gemessen und es wurde gezeigt, dass diese Plasmakonzentrationen bei unerhitzten Extrakten 4-mal so hoch waren wie bei derselben Menge an erhitzten, denaturierten Extrakten. Und es gab immer schon Studien, die auf eine bessere entzündungshemmende Wirkung der natürlichen sauren Cannabinoide hinwiesen.

Du wolltest also die Säureformen CBGA und CBDA im Extrakt erhalten. Wie bist Du da vorgegangen?

Alois Posch: Meine erste Idee war die Destillation unter Vakuum. Ethanol verdampft unter starkem Vakuum bereits bei Temperaturen von 40 Grad Celsius.Bei diesen niedrigen Temperaturen sollte die Säure nicht decarboxyliert werden.  Ich hab mir also 2 pharmazeutische Drehkolbenevaporatoren gekauft, um Alkoholextrakte unter Vakuum herzustellen. Das Ergebnis war zwar gut, aber es hat mich trotzdem nicht überzeugt.

Woran hat es gelegen, dass Du mit den Extrakten dieser Destillation nicht zufrieden warst?

Alois Posch: Einerseits war es sehr schwierig, pharmazeutisch hochreines Ethanol zu bekommen. Und dieses pharmazeutische Ethanol ist auch sehr teuer. Im Destillationsprozess selbst wird das Lösungsmittel wieder recycelt, aber im Prozess der Auslaugung der Blüten geht immer eine bestimmte Menge an Lösungsmittel verloren. Auf normalen Ethanol wollte ich nicht zurückgreifen, weil ich ja hochreine Extrakte herstellen wollte. Ein weiteres Problem war, dass Ethanol nicht alle Cannabinoide gleich gut gelöst hat, es kam zu Verschiebungen des Cannabinoidprofils der Blüte zum Extrakt. Auch Terpene sind unterschiedlich gelöst worden, einige Terpene waren im Extrakt nicht mehr vorhanden.

Wie bist du dann letztlich auf die Idee zur Biomazeration gekommen?

Alois Posch: Wenn meine Hände voll von Cannabisharz waren, weil ich mit Blüten gearbeitet habe, dann habe ich mit ein paar Tropfen Speiseöl meine Hände vollständig sauber und frei von Harz bekommen. Das Öl löste die Harze besser als Alkohol. Wir wissen alle, wie gut Öl Cannabisharz lösen kann und damit alle Cannabinoide und Terpene. Also hab ich mir überlegt, wie es gelingen könnte, diese Inhaltsstoffe direkt im Öl zu lösen, ohne Umwege über Extraktionen und anderen Lösungsmitteln.

Das scheint ja sehr naheliegend. Warum sind nicht schon andere vor Dir auf dieselbe Idee gekommen?

Alois Posch: Ich war tatsächlich nicht der Erste, der auf diese Idee gekommen ist. Es gab schon einige vor mir, die solche Mazerate hergestellt haben. Sie sind aber meistens daran gescheitert, dass diese Herstellung nicht wirtschaftlich war. Die große Herausforderung ist die vollständige Trennung des Blüten/Öl Gemenges, nachdem die Inhaltsstoffe in das Trägeröl gewandert sind. Und um Extrakte mit hohen Mengen an CBGA und CBDA zu erhalten, müssen mehrere dieser Auslaugungsprozesse hintereinander durchgeführt werden.

Okay, anscheinend hast Du das gelöst. Was genau machst Du anders als Deine Vorgänger?

Alois Posch (lacht): Den genauen Prozess will ich nicht verraten, das ist unser Betriebsgeheimnis. Aber im Grunde ist es keine Doktorarbeit. Wir machen nichts anderes, als es schon die Mönche im Mittelalter gemacht haben, als sie Mazerate aus Heilpflanzen hergestellt hatten. Wir geben die zerkleinerten Blüten in das Öl und nach einer gewissen Einwirkzeit trennen wir dieses Gemenge wieder. Das ist alles. Wir haben dafür eigene Reaktoren und Pressen, aber im Grunde machen wir dasselbe, was auch schon in den mittelalterlichen Klöstern gemacht wurde.

Welche Konzentrationen an Inhaltsstoffen kannst Du denn mit Deiner Methode erreichen?

Alois Posch: Im Grunde sind nach oben wenig Grenzen gesetzt. Ich mache aber keine Biomazerate, die mehr als 20% CBGA oder 20% CBDA haben. Die Konzentration hängt davon ab, wie viel Blütenmenge ich in einem Liter Trägeröl löse. Meine CBGA Blüten beinhalten – als Beispiel – ca. 10% CBGA. Wenn ich 1kg Blüte mit einem Liter Öl auslauge, so erhalte ich ein Mazerat mit ca. 10% CBGA. Wenn ich 2 kg Blüte mit einem Liter Öl auslauge, so erhalte ich ein Mazerat mit ca. 20% CBGA. Ich kann aber in einem Durchgang nur eine gewisse Menge an Blüte mit dem Öl vermengen, damit eine ausreichende Benetzung erfolgt. Je mehr Blütenmaterial ich in einem Liter Öl lösen will, desto mehr Mazerations-Durchgänge muß ich also hintereinander schalten. 

Du kannst also 20%ige Extrakte herstellen mit dieser Biomazeration?

Alois Posch: Ja. Aber es ist gar nicht notwendig, so hohe Konzentrationen zu erreichen. In unseren CBGA-Kapseln und CBD-Kapseln zum Beispiel verwenden wir Mazerate, die nur 2% CBGA und CBDA enthalten. Der Grund liegt darin, dass jede Kapsel mit 0,55ml Mazerat gefüllt ist. Diese Füllmenge ist vom Lohnabfüller vorgegeben. Bei einem 2%igen Mazerat enthält jede Kapsel 10mg bis 11mg CBGA bzw. CBDA. Würde ich ein 10%iges Mazerat in die Kapsel füllen, dann würde jede Kapsel bereits 50mg bis 55mg CBDA bzw. CBDA enthalten. Und das wäre eine deutlich zu hohe Dosierung.

Stichwort Dosierung. Gibt es Hinweise in der Studie, welche Dosierung notwendig ist, um eine Wirkung gegen SarsCov-2 zu erzielen?

Alois Posch: Ja, es gibt Hinweise. Dabei handelt es sich aber um Schätzungen. So heißt es in der Studie: „Die Ergebnisse unserer Tests zur Infektionshemmung zeigen deutlich, dass sowohl CBDA als auch CBGA in der Lage sind, den Zelleintritt von SARS-CoV-2 zu blockieren. Die Konzentrationen, die erforderlich sind, um eine Infektion durch 50% der Viren zu blockieren, sind hoch, könnten aber klinisch erreichbar sein. Zum Beispiel zeigte CBDA, das menschlichen Freiwilligen oral mit 0,063mg/kg verabreicht wurde, eine größere Bioverfügbarkeit als CBD und erzeugte Plasmakonzentrationen von 0,21 mM. Bei Beagle-Hunden wurde die orale Verabreichung von CBDA mit 1mg/kg gut vertragen, war 2-mal besser bioverfügbar als CBD und führte zu Serumsspiegeln von bis zu 1,42 mM. Obwohl noch keine Daten zur Bioverfügbarkeit von CBGA vorliegen, deuten die Daten für CBDA darauf hin, dass Plasma- und Serumskonzentrationen im mM-Bereich für CBGA ebenfalls möglich sein sollten.“

Welche Schlüsse kann man aus diesen Aussagen ziehen?

Alois Posch: Man muss hier doppelt vorsichtig sein. Einerseits handelt es sich um eine Studie an menschlichen Zellen, die zwar extrem vielversprechend ist, aber es fehlt noch die Bestätigung einer Wirkung im Versuch an Menschen. Und die Schätzungen, welche Dosierungen notwendig sind, um eine bestimmte Plasmakonzentration zu erreichen, sind ebenfalls aus dem Tierversuch entnommen. Trotzdem ist die Zahl von 1mg CBGA bzw. 1mg CBDA je kg Körpergewicht ein guter Ansatzpunkt. Mit dieser Menge, so schätzen die Studienautoren, sollte eine ausreichend große Plasmakonzentration erreichbar sein.

1mg CBGA oder CBDA je kg Körpergewicht ist die Menge, die aufgenommen werden soll?

Alois Posch: Wenn man der Schätzung der Studie folgt, dann könnte das bereits ausreichend sein. Ein Mann mit 80kg Körpergewicht sollte also 80mg CBGA oder CBDA aufnehmen, um eine ausreichende Plasmakonzentration zu erreichen.

Das sind aber Mengen für den Fall einer Infektion. Welche Dosierung könnte denn vorbeugend ausreichend sein?

Alois Posch: Dazu findet sich in der Studie leider keine Schätzung. Aber wir können davon ausgehen, dass zur Vorbeugung deutlich geringer Mengen ausreichend sein könnten. Diese Vermutung war ja auch der Grund dafür, dass wir unsere Kapseln auf 10mg je Kapsel dosiert haben. 

Jetzt hat ja nicht jeder die Möglichkeit und die technische Ausstattung selber Biomazerate herzustellen. Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um die natürlichen Säureformen CBGA und CBDA zu erhalten?

Alois Posch: In der Blüte selbst liegen alle Cannabinoide in der natürlichen Säureform vor. Man kann also die nicht erhitzte Blüte konsumieren. Dabei entsteht aber dasselbe Problem wie bei Biomazeration. Der Geschmack von Hanfblüten ist extrem bitter. Man könnte aber getrocknete Hanfblüten mit einer Kaffeemühle mahlen und das Blütenmehl selber in Kapsel füllen. Es gibt dafür recht günstige Kapselfüllmaschinen auf Amazon oder im Fachhandel. Flüssigkeiten und Öle können nicht auf diese Weise gefüllt werden. Die Kapsel muß bei Ölen verschweißt werden, um ein Austreten zu verhindern. Gemahlene Blüten können aber ohne Probleme selbst abgekapselt werden. Man muss aber beim Konsum darauf achten, dass man immer etwas Öl oder etwas Fett mit konsumiert, damit die Inhaltsstoffe auch bioverfügbar sind. 

Man kann sich also das Covid-Medikament selber herstellen, indem man unerhitzte Hanfblüten abkapselt?

Alois Posch: Ja. Im Prinzip kann man das so machen. Die natürliche Hanfblüte ist das beste Material um CBGA und CBDA in reiner und natürlicher Form zu konsumieren. Man sollte aber die Blüten vorher analysieren, um zu wissen, wieviel Menge an CBGA und CBDA drin ist. Das kann von Blüte zu Blüte variieren. Bei gekauften CBD-Blüten sollte man aber sehr vorsichtig sein. Diese Blüten sind leider sehr oft behandelt, um den THC-Wert zu drücken. Das führt sehr oft dazu, dass diese Blüten kein natürliches CBGA und CBDA beinhalten, sondern denaturiertes CBG und CBD. Auch Rückstände aus Behandlungen können in diesen Blüten vorhanden sein. Die beste Lösung ist, selber anzubauen. CBD-Strains und CBG-Strains gibt es mittlerweile in jedem Fachhandel als Samen und als Steckling zu kaufen. Wer selber anbaut und erntet, der kann seine Blüten nach Biorichtlinien herstellen.

Oder man kauft ein Biomazerat?

Alois Posch (lacht): Ja, das ist immer noch die zweitbeste Lösung für jene, die nicht selber anbauen können.

Alois, vielen Dank für deine Zeit und für das tolle Interview!

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